Ich habe Angst. – Das ist normal!
Ich habe Angst vor der Angst. – Das ist kritisch!
Die Angst hat mich. – Das ist gefährlich!
Mit wirksamen Methoden lehrt die Logotherapie, der Angst ins Gesicht zu lachen.
5 bis 10 % der Deutschen haben Angst. Nicht vor Terror, Krieg, Verarmung, Katastrophen – sondern vor Kinosälen, Spinnen, Fahrstühlen, Prüfungen, vor Mahlzeiten in Restaurants oder dem Besteigen der Haushaltsleiter. Welche Formen Ängste annehmen können und welche Ursachen dafür verantwortlich gemacht werden, können Sie unter folgender Internet-Adresse nachlesen:
www.wikipedia.org/wiki/Angstörung
Die unterschiedlichen Hilfsangebote für Ängstliche stimmen letztlich in einem Punkt überein: Nur wer sich seiner Angst stellt, kann sie besiegen!
Doch genau das „Sich Stellen“ ist das zentrale Problem. Denn Ängstliche weichen den bedrohlichen Gefühlen durch Vermeiden aus. Kein Gold der Welt bringt einen Klaustrophobiker in die U-Bahn oder die Flugängstliche in den Jumbo-Jet.
Wie erklärt die Logotherapie dieses irrationale Vermeidungsverhalten – und vor allem: Welchen Ausweg bietet sie an?
Frankl greift drei Aspekte der Angst heraus:
- Sinn-Frustration
- Erwartungsangst (Angst vor der Angst)
- Krankheitsgewinn
Sinn-Frustration
Wird das elementare Sinnbedürfnis über längere Zeit frustriert, so entwickelt der Mensch als unangemessene Konfliktbewältigung unter Umständen eine gesteigerte Selbstbeobachtung. Diese wiederum kann den Teufelskreis aus Erwartungsangst und Vermeidung anstoßen.
Erwartungsangst
Hat der Mensch sein eigentliches Ziel aus den Augen verloren, kreist er um sich selbst. Durch übersteigerte Selbstbeobachtung und Fehldeutung (beispielsweise von Körperreaktionen) werden ursprünglich unbewusst ablaufende Mechanismen gestört. Dadurch wird die Angst vor der Angst ins Unerträgliche gesteigert.
Krankheitsgewinn
Eine Patientin mit Agoraphobie (die sich fürchtet, allein das Haus zu verlassen) ist schwer beeinträchtigt – und zieht doch möglicherweise unbewusst Gewinn aus ihrer Einschränkung. Sie wird geschont, sie erhält Aufmerksamkeit und Zuwendung. Nicht selten werden dadurch zwischenmenschliche Konflikte zugedeckt.
Wie greift nun die Logotherapie in diesen Teufelskreis ein?
Mittels einer Methode, die Frankl bereits seit 1929 praktiziert, erstmals 1939 beschreibt und ab 1946 unter dem Namen „Paradoxe Intention“ publiziert. Die Methode ist laut Frankl „ …echte Logotherapie. Der Patient soll die Neurose und Symptome objektivieren und sich von ihnen distanzieren.“
Die Paradoxe Intention durchbricht den ängstlichen Zirkelkreis. Die Betroffenen werden angeleitet, sich in paradoxer Weise gerade das zu wünschen oder vorzunehmen, wovor sie sich so sehr ängstigen. Der Humor spielt dabei eine zentrale Rolle. „Tatsächlich sollte die Paradoxe Intention jeweils so humoristisch wie möglich formuliert werden.“ Dieser therapeutische Humor ist vor allem bei schambezogenen Ängsten – wie Platzangst, Errötungsangst, Sprechangst, Versagensangst – wirksam. Dem starken Affekt „Scham“ wird „unverschämt“ ins Gesicht gelacht – und siehe da: Die Angst tritt den Rückzug an.
Wie beispielsweise durch das „Wettzittern“, das Frankl mit einer Patientin veranstaltet, die an einer Zitterangst leidet: „Wir wollen einmal sehen, wer schneller und länger zittern kann …“ Frankl gewinnt die Wette und bestätigt seine eigene Aussage: „Sowohl Paradoxe Intention wie Logotherapie sind auf Veränderung aus.“