Aktuell und zukunftsfähig: Die Grundlagen der Logotherapie (Teil 1)

20 12 2008

Die Logotherapie denkt groß vom Menschen. 1949 schreibt Viktor Frankl: „Die Freiheit der Person ist nicht nur eine Freiheit vom Charakter, sondern auch eine Freiheit zur Persönlichkeit. Sie ist Freiheit vom So-sein und Freiheit zum Anders-werden.“

Skeptiker zweifeln dieses optimistische Menschenbild immer wieder an. Da kommt eine Untersuchung des angesehenen Sozialpsychiaters Klaus Dörner zur rechten Zeit.

In einem Online-Artikel beschreibt er die neue Bürgerhilfebewegung und stellt dabei u. a. folgendes fest: „Das Erstaunliche ist nun, daß wir Bürger in der Breite längst damit begonnen haben … unser Verhalten an den expandierenden gesamtgesellschaftlichen Hilfebedarf anzupassen – noch bevor die politisch Verantwortlichen auch nur gewagt hätten, so weit zu denken oder gar Forderungen zu formulieren. Alle denkbaren Messinstrumente belegen seit 1980 einen tiefgreifenden kulturellen Wandel der Einstellungen und des Verhaltens der Bürger: Sie zeigen nicht weniger, sondern wieder mehr soziales Engagement.“

Einige Facetten des Wandels bestätigen verblüffend das Menschenbild der Logotherapie – als habe Viktor Frankl dieses „Wunder gegen den Zeitgeist“ bei der Darlegung seiner Grundannahmen bereits vorausgesehen.

Worin genau bestehen die Gemeinsamkeiten der zahlreichen unterschiedlichen Bürgerengagements und wie bestätigen sie im einzelnen das logotherapeutische Menschenbild?

Zunächst lenke ich den Blick auf Dörners Überlegungen zum Begriff der Freiheit: „Es ist also von einer neuen sozialen Bürgerhilfebewegung auszugehen. Dabei handelt es sich nicht um einen sozialromantischen Wunschtraum, sondern um ein schlichtes und belastbares Faktum… Dabei hat sich gezeigt, daß es sich bei diesem „Wunder gegen den Zeitgeist“ – Gemeinwohl statt Eigennutz- und Marktorientierung – nicht um eine idealistische Verklärung, sondern um eine höchst realistische „Einsicht in die Notwendigkeit“ (wie Hegel „Freiheit“ definiert) handelt.“

Daß die „Einsicht in die Notwendigkeit“ als Freiheitsbegriff durch die neue Bürgerhilfebewegung wieder salonfähig wird, dürfte Viktor Frankl ganz besonders freuen. Für die Logotherapie bilden Freiheit des Willens  und Verantwortung nämlich zentrale anthropologische Kategorien: „Frei sein ist wenig, ist nichts – ohne ein Wozu; aber auch verantwortlich sein ist noch nicht alles – ohne ein Wovor.“ (Viktor Frankl)

Doch damit nicht genug der Übereinstimmung! Weitere Gemeinsamkeiten werde ich im nächsten LogoLog-Beitrag aufzeigen …


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One response to “Aktuell und zukunftsfähig: Die Grundlagen der Logotherapie (Teil 1)”

22 12 2008
G. G. (17:34:18) :

Sehr geehrte Frau Tempel,

mit Interesse habe ich ihren Text gelesen. Auf das Wort “Online-Artikel” habe ich geklickt. Leider funktionierte der Link nicht.

Ich halte mich zur Zeit in der “unteren Welt” auf und bitte Sie, den Bericht Die fatale Vertafelung der Gesellschaft zu lesen.

Das sogenannte hoch gebriesene “Bürgerschaftliche Engagement” betrachte ich zwischenzeitlich mit äußerst mißtrauischem Auge. Nicht alles was glänzt, ist Gold. Holzauge, sei wachsam!

An ganz anderer Stelle erstarkt tatsächlich wieder etwas sehr positives. Doch das findet an ganz anderen Orten und Stätten statt.

Mit freundlichen Grüßen
G. G.

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