Aktuell und zukunftsfähig: Die Grundlagen der Logotherapie (Teil 2)

23 12 2008

Im letzten LogoLog-Beitrag ging es um die Übereinstimmung zwischen dem Freiheitsverständnis der neuen Bürgerhilfe-Bewegung und Frankls Einsichten zu Freiheit und Verantwortung.

Heute verfolgen wir die Spur der Gemeinsamkeiten weiter und lenken dabei den Blick auf Sinndefizite und deren Folgen

Prof. Dörner bestätigt Frankls Postulat vom „Leiden am sinnlosen Leben“. Bei Dörner liest sich die Beschreibung des Existentiellen Vakuums so: „Immer mehr Bürger leiden an zuviel sinnfreier Zeit… Nun kann zwar die Zunahme freier Zeit durchaus genossen werden, aber das ist nur bei zu einem Optimum möglich. Jenseits davon schlägt der Genuß in Leiden um.“

Nach dieser verblüffenden Übereinstimmung verwundert es nicht, wenn Frankl und Dörner ähnliche Auswege aus der existentiellen Frustration vorschlagen. „Statt der heute vom Markt gern angebotenen Psychotherapie ist dann zunächst ein gewisses Maß an „sozialer Erdung“, eine individuell unterschiedliche Tagesdosis an Bedeutung für Andere erforderlich, um die übrige freie Zeit nicht fremd-, sondern selbstbestimmt genießen zu können. Diese Reihefolge ist nicht umkehrbar. Es scheint also in allen Menschen auch ein mal kleineres, mal größeres Helfensbedürfnis (über die eigene Familie hinaus) objektiv zu geben.“ Soweit die Beobachtungen von Prof. Dörner.

Soziale Erdung – Bedeutung für Andere – Helfensbedürfnis: Das sind ganz offensichtlich die modernen Vokabeln für Wertorientierung – Selbsttranszendenz und Wille zum Sinn.

Schließlich noch eine weitere erstaunliche Parallele: Frankl gebürt das Verdienst, die klassische Neurosensystematik um das Bild der „Noogenen Neurose“ erweitert zu haben. Diese Störung kann sich bei ständiger Sinn-Frustration entwickeln.

Eben dieses Phänomen beschreibt auch Prof. Dörner: „Immer mehr Menschen machen die Erfahrung, daß man heute nicht nur an körperlich-motorischer oder sozial-moralischer Überlastung, sondern auch an Unterlastung körperlich oder psychosozial erkranken kann.“

Sozial-moralische Unterlastung als modernes Synonym für „Sinndefizit“.
Und welches Heilmittel kuriert diese Form von existentieller Unterforderung?

Klaus Dörner empfiehlt eine „Tagesdosis an Bedeutung“ – Frankl hätte zur „Sinnfindungshilfe“ gegriffen.

Wieder einmal wird deutlich: Die Frage nach dem Sinn und die Antworten der Logotherapie sind hochaktuell und bleiben gewiß auch 2009 ein spannendes Thema. In diesem Sinne freue ich mich auf das neue Jahr im Logotherapie-Blog und wünsche allen Lesern nah und fern

Ein frohes Weihnachtsfest

Monika Tempel


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