Garten-Sinn
15 04 2008Lieber Schwager,
ein naturnahes Gärtchen mit einheimischen Pflanzen hast Du uns versprochen – und jetzt das?
„Exotik pur“ – so läßt sich die momentane Situation in unserem winzigen Paradies beschreiben.
Während auf den Nachbargrundstücken die üblichen Verdächtigen wie Hyazinthe, Narzisse und Primel für Frühlingsgefühle sorgen, läuten bei uns Himmelsschlüssel und Schachbrettblume Sturm.
Die Schachbrettblumen am Terrassenrand erheischen schon seit Wochen unsere Aufmerksamkeit. Zunächst sprießen lanzenförmige Stengel senkrecht nach oben – und lassen sich nach kurzer Zeit einfach zur Seite fallen. Was soll das denn werden? Allmählich bilden sich hier und da mandelförmige Knospen. Ansonsten geschieht nichts.
Bis plötzlich – scheinbar über Nacht - die Stengel wundersam aufgerichtet sind und zahlreiche Glockenblüten sich fast gleichzeitig entfalten.
Und was für Blüten!
So etwas habe ich noch nie gesehen: Die Glocken tragen Karo. In Tiefaubergine-Beige oder Hellviolett-Crème. Mit drei Buchstaben: Hip.
Wenn ich jetzt noch erwähne, daß die Aubergine-Violett-Töne der Schachbrettblume vorzüglich mit den rosaroten Blüten der Zwergmandel auf der anderen Seite des Steinplatten-Laufsteges harmonieren, komme ich mir vor wie ein Modenschau-Kommentator aus Mailand…
Ciao a tutti
Deine Schwägerin
Mit der Beschreibung der Schachbrettblumen hast du mich jetzt neugierig gemacht. Um welche Pflanze handelt es sich dabei? Vielleicht hättest du mal Lust ein Foto mit deinen exotischen Pflanzen im Garten zu machen?
Hallo Maria,
gerne antworte ich auf Deine interessierte Nachfrage und danke auch für Deinen Tip.
Die Fotos sind schon im Kasten - allerdings ganz konventionell auf Zelluloid gebannt. Die botanische Bezeichnung unserer Schachbrettblume kenne ich leider bislang auch noch nicht. Ich werde mich aber sowohl um den Namen (alsbald!) wie auch um eine digitale Kamera (für die nächste Saison?) bemühen. Bis dahin bitte ich - wenn möglich - um Geduld und um die Bereitschaft, unser Naturschaugärtchen bis auf weiteres anhand meiner Beschreibungen vor dem inneren Auge erblühen zu lassen …
Monika
Nochmal für Maria (und alle Interessierten)!
Inzwischen habe ich mich kundig gemacht: Unsere Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) gehört laut Reinhard Witt zu den “Wilden mit den nassen Füßen”. Sie fühlt sich offensichtlich wohl an unserem halbschattigen, feuchten Terrassenrand. In Reinhard Witts Buch “Der Naturgarten” gibt es auf Seite 90 sogar eine nette Abbildung von ihr - als “Trostpflaster” für Ungeduldige, die nicht auf mein Starfoto in der nächsten Saison warten möchten!
Monika