Garten-Sinn
15 05 2008Lieber Schwager,
heute war es soweit: Ihre Natürliche Hoheit Rosa Pimpinellifolia „Glory of Edzell“ gab die erste Audienz.
Erst blinzelte sie – noch ein wenig scheu – in die Vormittagssonne. Das lichtrote Gewand hielt sie – wie eine Stola – eng um den Körper gewickelt. Es schien, als wolle sie die neugierige Betrachterin prüfen: „Kann ich Deinen Blicken trauen? Erkennst Du meine heimische Wildrosen-Schönheit?“
(Unwillkürlich kamen mir der „Kleine Prinz“ und seine Rose in den Sinn. Hatte nicht auch sie sich anfangs geziert? Ich muß die Stelle unbedingt einmal nachlesen…)
Nach und nach faßte Rosa Pimpinellifolia wohl Vertrauen in mich und die frühsommerlichen Temperaturen. Schließlich lockerte sie die Stola und präsentierte ihr bezaubernd schlichtes Prinzessinnenkleid.
Ich stand – entzückt von soviel rosaweißer Raffinesse – auf dem Gartenweg, als ein ungewohnt heftiger Windstoß mich aufschreckte: O je, verdächtige Wolken am zuvor ungetrübten Himmel!
Ob meine Rosenprinzessin den drohenden Schauer unbeschadet überstehen wird? Fast war ich versucht, zur Lösung des Kleinen Prinzen Zuflucht zu nehmen. Der wollte seine geliebte Rose beim Abschied unter eine Glasglocke stellen. Doch das fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, daß „Glory of Edzell“ schon seit Jahrhunderten in Kloster- und Burggärten den Stürmen des Lebens trotzt: ungefüllt und unerschrocken
Wildrosenberauschte Grüße sendet
Deine Schwägerin