Garten-Sinn
29 07 2008Lieber Schwager!
„Der Weg ist das Ziel.“ – So heißt es heute unisono in naturnahen wie in Manager-Kreisen.
Doch was mache ich, wenn ich keinen Weg mehr im heimischen Dschungel entdecken kann?
Es ist noch kein Jahr her, daß Du den behäbig geschwungenen Pfad aus großen Porphyrplatten nebst einer kleinen Abzweigung zum Steingarten gestaltet hast. Eine trittfeste Einladung zum Flanieren durch unser Naturparadies …
Nach einem milden Winter, einem regenreichen Frühjahr und einem feucht-schwülen Sommer läßt sich inzwischen nur noch hier und da etwas Steiniges entdecken – zwischen Matten aus Sonnenröschen und duftenden Polstern von lila Feldthymian.
Auf halber Strecke zum Gartentor hat der Natternkopf eine blaublühende Stachel-Brücke über den Plattenweg geschlagen. Da hilft nur ein beherzter Riesenschritt – denn für die Machete ist dieses bezaubernde Gewächs trotz der spitzen Angriffsnadeln viel zu schade!
Schwankend erwische ich tatsächlich einen rettenden Steintritt. Ich winde mich – so gut es geht – vorbei an der unermüdlich raumgreifenden Strauchkronwicke. Da, wo es nach „Pizza“ riecht – weil der wilde Oregano blüht – ahne ich unter der Spießweide die Abzweigung zum Steingarten. Keine Chance, bis zum Wurmfarn am Mäuerchen vorzudringen!
Mit Mühe erreiche ich schließlich das rettende Gartentor – und überlege insgeheim, ob ich für die Rückkehr ins Haus nicht lieber den säuberlich planierten, schnurgeraden Mistweg wählen sollte …
Deine „weglose“ Schwägerin