Garten-Sinn

31 08 2008

Lieber Schwager!

Es gibt Pflanzen mit einem fulminanten Auftritt. „Hallo, hier bin ich!“, scheinen sie schon im Knospenstadium vor sich her zu posaunen. „Trara – jetzt bin ich da!“, ertönt es beim Erblühen. Und selbst den Abgang gestalten sie als furioses Finale mit Pauken und Trompeten.

Ganz anders die „Leisetreter“.

Einem Repräsentanten dieser Gattung hast Du ein sonniges Plätzchen am Steingartenhang zugewiesen. Dort grünte er bis zum Frühsommer als mickriges Pflänzchen unbeachtet vor sich hin. Dann deutete er durch eher zurückhaltendes Breitenwachstum seine Veränderungsbereitschaft an. Hier und da zeigten sich bald darauf zartgliedrige gelbe Gebilde, die ich erst auf den zweiten Blick als Blüten identifizieren konnte.

Einmal angestoßen, schien diese Entwicklung nicht mehr zu stoppen. Jeden Morgen war das grün-gelbe Blütenpolster um etliches bauschiger als am Vortag. Unverdrossen eroberte das grüne Kissen Zentimeter um Zentimeter am Hang – unermüdlich sprossen die stiftförmigen Blüten. Und blühten, und blühten, und blühen zum größten Teil noch immer!

Das filigrane Steingarten-Wunder – so würde ich diesen heimischen Dauerblüher charakterisieren.

Na, lieber Schwager – hast Du den Gelben Lerchensporn erkannt?

Das fragt aus der spätsommerlich verzauberten Oberpfalz

Deine Schwägerin


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