Garten-Sinn
15 02 2008Lieber Schwager,
die Revolution beginnt!
Hast Du das etwa kommen sehen, als Du letztes Jahr ganz meditativ ein paar Pflanzen in die sandige Erde unseres Naturschaugärtchens setztest? Ich jedenfalls nicht!
Nichtsahnend bin ich noch vor ein paar Wochen über die Granitplatten zum Müllcontainer geflitzt. Husch, husch zurück ins Warme – weil ich wieder mal zu faul war, für diese zwei Minuten Frischluftkontakt den Anorak aus dem Dielenschrank zu holen.
Kurz nach Neujahr habe ich zwar gestutzt: Wo kommt plötzlich das Schnittlauch unter der Strauchkronwicke her? Das sollte ich im Auge behalten! Aber dann rührte sich dort nichts weiter …
An einem sonnigen Januarmorgen flitzte überraschend der Igel aus dem Nachbargarten über die Terrasse. Doch auch er hatte es eilig, zurück in sein molliges Blätterquartier zu kommen. Der Winterfriede schien ungetrübt.
Konnte ich denn ahnen, daß es kein Zurück mehr geben würde, als sich die erste Christrosenblüte öffnete? Ich zog die Rolladen hoch – da strahlte sie mir schon am frühen Morgen entgegen: ihr cremiges Weiß arglos geöffnet; den gelben Stempelkranz schutzlos preisgebend. Ein zarter Unschuldsengel im winterlichen Gartenparadies.
Ich war gerührt. In den folgenden Tagen ließ mich jede Frostmeldung um ihr Frühblüher-Wohl fürchten. Doch sie strahlte unbeirrt.
Dieses Wunder mußte ich mir genauer anschauen!
Und da entdeckte ich sie: die vielen weißen Knospen an den beiden Christrosenschwestern – die grünen Antennen der Schneeglöckchen am Terrassenrand – die entschlossen sprießenden Traubenhyazinthen entlang des Weges.
Weiße Unschuld? – Alles Tarnung! Es fiel mir wie Schuppen von den Augen: „The times they are a-changing!“
Deine Schwägerin