Glossar

Was bedeutet eigentlich …?

Determinismus / Pan-Determinismus
Deterministen bestreiten in der Regel nicht, daß sich der Mensch als frei erlebt. Sie behaupten nur, daß er sich darin eben täusche – sie behaupten nämlich, daß er sich bloß so erlebe, als ob er frei wäre.

 

Dereflexion
Von Frankl entwickelte logotherapeutische Technik zur Behandlung der Hyper-Reflexion (insbesondere bei Sexualstörungen). Ihr liegt die Fähigkeit zur Selbst-Transzendenz zugrunde.

 

Einstellungsmodulation
Diese logotherapeutische Methode wird eingesetzt, um (nach Elisabeth Lukas) das eigene Schicksal in seiner Einmaligkeit und Einzigartigkeit als persönliche Aufgabe anzunehmen. Sie ermöglicht es, positive Sachverhalte vollkommen auszunutzen. Bei schweren Schicksalsschlägen führt sie dahin, unveränderbare Sachverhalte zu akzeptieren.

 

Einstellungswerte
Sinnverwirklichung durch Erleiden und Ertragen (beispielsweise von Schuld, Leid, Tod = Tragische Trias). Nach Frankl ist der Leidenssinn den schöpferischen und den Erlebniswerten dem Wertrang nach überlegen.

 

Erlebniswerte
Sinnverwirklichung durch Erleben und Genießen (von Natur, Kultur, zwischenmenschlichen Beziehungen).

 

Existentielles Vakuum
Das Leiden am sinnlosen Leben. Erlebnis einer inneren Leere, Gefühl einer abgründigen Sinnlosigkeit – bedingt durch Instinktunabhängigkeit und Traditionsverlust des Menschen.

 

Freiheit des Willens
Eine Grundsäule der Logotherapie. Menschliche Freiheit ist endliche Freiheit. Der Mensch ist nicht frei von Bedingungen, sondern nur frei, zu ihnen Stellung zu nehmen. Menschliches Verhalten wird letztlich nicht von Bedingungen diktiert, die der Mensch antrifft, sondern von einer Entscheidung, die er trifft.

 

Gemeinsamer Nenner
Logotherapeutische Technik zur Entscheidungsfindung. Sie arbeitet mit der Beurteilung von Chancen, Gütern, Verzichtsleistungen u.ä.

 

homo amans
Ein Mensch, der durch Erlebniswerte (Natur, Kultur, zwischenmenschliche Beziehungen) Sinn verwirklicht.

 

homo faber
Ein Mensch, der durch schöpferische Werte (Arbeit, künstlerisches Schaffen, soziales Engagement) Sinn verwirklicht.

 

homo patiens
Ein Mensch, der durch Einstellungswerte (zu Schuld, Leid, Tod = Tragische Trias) Sinn verwirklicht.

 

Logotherapie
Der Begriff ist abgeleitet vom griechischen Wort „logos“ – es bedeutet u.a. Sinn). Logotherapie ist kein Ersatz für Psychotherapie. Das Thema der Logotherapie lautet: Der Mensch ist ein Wesen auf der Suche nach einem Sinn – den Menschen Beistand zu leisten in der Sinnfindung ist die Aufgabe der Logotherapie.

 

Noogene Neurose
Erlebt sich der Mensch nicht von einer ihn persönlich ansprechenden Aufgabe her als angefordert und in adäquater Spannung gehalten, dann entwickelt er nicht selten ein tiefgreifendes Sinnlosigkeitsgefühl – eine Noogene Neurose. Im Gegensatz zur Neurose im engeren Sinne geht diese Noogene Neurose nicht auf Komplexe und Konflikte im herkömmlichen Sinne zurück, sondern auf Gewissenskonflikte, Wertkollisionen und Frustrationen des Willens zum Sinn.

 

Noopsychischer Antagonismus
Die fakultative Unabhängigkeit der Reaktionen von Körper/Psyche (Psychophysikum) und Geist (Beispiel: Beherrschung und Umlenkung von Wut).

 

Paradoxe Intention
Logotherapeutische Methode zur Behandlung der Hyper-Intention. In der Paradoxen Intention wird die Fähigkeit zur Selbst-Distanzierung mobilisiert, indem den Befürchtungen des ängstlichen oder zwanghaften Patienten der Wind aus den Segeln genommen wird: Der Patient wird angewiesen, genau das, wovor er sich immer so sehr gefürchtet hatte, nunmehr sich zu wünschen (bei Angstneurose) bzw. sich vorzunehmen (bei Zwangsneurose) – und zwar mittels einer möglichst humorvollen Absichtserklärung.

 

Psychiatrisches Credo
Frankls Überzeugung, daß der Geist des Menschen nicht erkranken kann. (Lediglich das Ausdrucksorgan des Geistes – das Gehirn – ist beispielsweise bei Psychosen, Demenzen, geistigen Behinderungen erkrankt.)

 

Psychophysischer Parallelismus
Die obligate Abhängigkeit der Reaktionen von Körper und Psyche (Beispiel: Blutdruckanstieg bei Wut).

 

Psychotherapeutisches Credo
Frankls Glaube, daß der Mensch unter allen Umständen Selbst-Distanz üben kann: Ich muß mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen.

 

Reduktionismus
Reduktionisten kann man erkennen an der Redewendung „nichts als“: „Das Leben ist nichts anderes als ein Verbrennungsprozeß …. Der Mensch ist nichts als ein aufrechter Affe … Religion ist nichts anderes als eine kollektive Zwangsneurose …“

 

Schöpferische Werte
Sinnverwirklichung durch Tätigwerden (im Beruf, in der Familie, in der Gesellschaft, in Kultur, Natur etc.)

 

Selbst-Distanzierung
ist für Frankl ein spezifisch humanes Phänomen: Die Freiheit des Menschen schließt dessen Freiheit in sich ein, zu sich selbst Stellung zu nehmen, sich selbst gegenüberzutreten und sich zu diesem Zwecke zunächst einmal von sich selbst zu distanzieren.

 

Selbst-Transzendenz
ist für Frankl ein fundamental-anthropologisches Charakteristikum menschlicher Existenz: Mensch sein heißt über sich selbst hinaus sein, immer schon ausgerichtet und hingeordnet sein auf etwas oder auf jemanden. Der Mensch langt über sich selbst hinaus nach Sinn und Werten und ist nicht ausschließlich und vorrangig an sich selbst interessiert.

 

Sinn
Sinn (und Werte) sind die „Gründe“, die den Menschen zu seinem jeweiligen Verhalten und Handeln „bewegen“.

 

Sinn des Lebens
Eine Grundsäule der Logotherapie. Der Sinn des Lebens ist nicht zu erfragen, sondern zu beantworten, indem man das Leben verantwortet. Es ist jeweils der konkrete Sinn einer konkreten Situation – die „Forderung der Stunde“ adressiert an eine individuelle Person. Es gibt für Frankl keine Situation, in der das Leben aufhören würde eine Sinnmöglichkeit anzubieten – und es gibt keine Person, für die das Leben nicht eine Aufgabe bereithielte.

 

Sinnfindungshilfe
zu leisten, ist die Hauptaufgabe der Logotherapie. Sinn kann nicht „verordnet“ werden. Frankl betont darüber hinaus: Der Sinn kann nicht erfunden, sondern immer nur von dem betroffenen Menschen in seiner konkreten Lebenssituation gefunden werden.

 

Sinn-Organ
Das Gewissen ist für Frankl ein Sinn-Organ. Es läßt sich definieren als die Fähigkeit, den einmaligen und einzigartigen Sinn, der in jeder Situation verborgen ist, aufzuspüren.

 

Sinnwahrnehmungs-Training
von Elisabeth Lukas beschriebene Methode, durch die
der Suchende zur Sensibilität für den „Sinn des Augenblicks“ geführt wird.

 

Sokratischer Dialog
Logotherapeutische Technik der Gesprächsführung, in welcher der Patient schrittweise zu einem Perspektivenwechsel („kopernikanische Wende“)
geführt wird.

 

Verantwortung /Verantwortlichkeit
Das menschliche Dasein ist Verantwortlich-sein, weil es Frei-sein ist. Es ist ein Sein, das jeweils erst noch entscheidet, was es ist. Damit das Leben gelingen kann, muß es in Freiheit und aus Verantwortung auf Sinn hin gelebt werden.

 

Werte (Sinn und)
Werte sind die „Gründe“, die den Menschen zu seinem jeweiligen Verhalten und Handeln „bewegen“.

 

Wertkategorien
Es gibt nach Frankl „drei Hauptstraßen zum Sinn“: Schöpferische Werte (homo faber) – Erlebniswerte (homo amans) – Einstellungswerte (homo patiens).

 

Wille zum Sinn
Eine Grundsäule der Logotherapie. Es ist das dem Menschen zutiefst innewohnende Bedürfnis, in seinem Leben bzw. in jeder einzelnen Lebenssituation einen Sinn zu finden und zu verwirklichen. Frankl bezeichnet damit das Faktum, daß es dem Menschen zunächst und zuletzt um den Sinn und nichts als den Sinn geht.

 

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