Logotherapie in Sanssouci

13 03 2008

Waren Sie schon einmal im Schloßpark von Sanssouci? Da steht im Zentrum das Lustschlößchen „Sorgenlos“ – eine ´coole Hütte` im O-Ton meiner Söhne. Ringsum wunderschöne Weinberg-Terrassen und ein herrliches Gartenparterre mit reizvollen Überraschungen hinter jeder Wegbiegung – stundenlanges Spaziergänger-Glück! Doch wissen Sie, was mich von all diesen Finessen am nachhaltigsten beeindruckt hat?

Der Blick auf den Ruinenberg.

Da erteilt der Große Fritz den Auftrag, das riesige Wasserreservoir für die geplanten Schlosspark-Fontänen zu umbauen. Mit einer weithin sichtbaren antikisierenden Ruinenlandschaft. Mag sein, daß diese Geschichtsverliebtheit damals gerade angesagt ist. Für mich hat sie aber noch eine tiefere Bedeutung. Wenn der Preußenkönig morgens aus seinem Schlafgemach blickt, sieht er meiner Meinung nach nicht nur mit wohlkalkulierter Wehmut zurück in die idealisierte Antike. Er sieht viel mehr: Der Ruinenberg ist seine tägliche Erinnerung daran, daß auch das Leben eines Großen Königs Fragment bleibt. So wie jedes Menschenleben Fragment ist…

Diese Geschichte erzähle ich meinen Klienten gerne, um ihnen den Sinn der Paradoxen Intention bei Ängsten und Zwängen zu verdeutlichen.

Für die Logotherapie steht nämlich die Verdrängung dieser Tatsache – daß der Mensch Fragment ist – im Zentrum der krankmachenden Teufelskreise bei Ängsten und Zwängen. Und die logotherapeutische Methode der Paradoxen Intention führt zu einer gelassenen Auseinandersetzung mit diesem verleugneten Thema.

Und dann schiebe ich die Pointe von Sanssouci nach: „Die Wasserspiele von Sanssouci bleiben Fragment. Friedrich der Große gibt seine kostspieligen Springbrunnen-Pläne nach jahrelangen Fehlversuchen schließlich auf. Und wissen Sie warum? Weil er Frankl und die Paradoxe Intention verstanden hat an jenem Karfreitag 1754 – als nämlich eine Fontäne in seinem wunderschönen Schlossgarten durch herabbrausendes Schmelzwasser zu sprudeln beginnt: ganz unbeabsichtigt und nur für dieses eine Mal!“


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