Logotherapie konkret (Teil 2) – Flüchten

26 07 2008

„Morgens der öde Job im Schreibbüro. Ab mittags Hausarbeit und der große Garten. Chaos im Zimmer von Tim – Wäscheberge bei Thea. Und dann noch das Gejammere von meiner Mutter: Ihr Zucker ist wieder viel zu hoch – die Beine wollen nicht mehr wie früher – und überhaupt, niemand kümmere sich um sie…“
Meine Gesprächspartnerin sinkt mit jedem Satz mehr in sich zusammen. Schließlich ein tonloser Seufzer: „Tagaus, tagein nur Funktionieren. Ich kann mich zu nichts Sinnvollem mehr aufraffen…“

Für diese erschöpfte „Familienmanagerin“ gilt zuallererst: Flüchten.

Kann „Flüchten“ denn eine Antwort auf die Sinn-Frage sein?

Manchmal schon!

Für die völlig erschöpfte Job-Familien-Pflege-Managerin oder den ausgebrannten Altenheimleiter beispielsweise. Für diese Engagierten, die immer für andere da sind, die nie „Nein“ sagen auf die Frage: „Könntest Du nicht eben mal …?“

Erst wenn der Kreislauf zusammenbricht und der Hausarzt etwas von „Burn-Out“ murmelt, setzen sie sich hin und schütteln den Kopf: „Komisch, bisher habe ich doch funktioniert?“

Spätestens jetzt heißt es: Raus aus dem Hamsterrad!

Nach der unbedingt notwendigen „Flucht“ aus der Überlastung und nach der gebührenden Erholung kann die Existenzanalyse beginnen: Welches sinnvolle Lebensthema ist durch mein Über-Engagement verdeckt worden? Kann sich die Familien-Managerin möglicherweise nur wertvoll fühlen, wenn sie sich für andere selbstausbeutet? Flüchtet der Heimleiter vor den häuslichen Auseinandersetzungen mit den pubertierenden Kindern?

An dieser Stelle zeigen sich die krankmachenden Vermeidungsstrategien. Und deshalb gilt: Innehalten – auftanken – Selbstfürsorge üben – das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden lernen – und sich dann mit neuen Kräften den eigentlichen Sinn-Aufgaben stellen.


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