Logotherapie konkret (Teil 3) – Standhalten

28 07 2008

Nicht selten fordert die Sinn-Frage ein trotziges „Dennoch“ als Antwort.

„Was morgen ist,
und wenn es Sorge ist,
ich sage: Ja.“

Als mein Ältester dieses herbe Zitat als Abi-Spruch wählte, konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. (Normalerweise lächeln meine drei Jungs über den „Logo-Trip“ ihrer Mutter!)

Vielleicht – so dachte ich damals – ahnt ein Zwanzigjähriger noch nicht, wie die „Sorgen“ aussehen können, die ein „Ja“ herausfordern…

Ich hatte einen jungen Patienten vor Augen: Nach dem ersten stationären Aufenthalt verläßt er die Klinik mit einer psychiatrischen Diagnose. Kopfüber stürzt er sich in die Arbeit. Will allen zeigen, daß er wieder „der Alte“ ist. Nach dem Rückfall ist seine hoffnungsvolle Karriere beendet. Inzwischen verbringt er die Nächte im Internet und seine Tage im Bett: „Warum soll ich mich zusammenreißen. Ist doch eh alles sinnlos…“

Oder das Schicksal einer emotional instabilen Patientin: Ihr ist es gerade gelungen, das selbstverletzende Verhalten und die Freßattacken durch konstruktives Verhalten zu ersetzen, als bei der kleinen Tochter ein Hirntumor diagnostiziert wird…

Wie schwer fällt das „Ja“ auch dem mit Mühe abstinenten Alkoholiker, dessen Stelle wegrationalisiert wird.

Vielleicht – geht es mir jetzt durch den Sinn – täusche ich mich aber auch, und die Jugend hat „ihren Frankl“ schon längst verstanden:

„Klopf den Dreck von Deiner Kleidung,
steh wieder auf –
Auch wenn es manchmal humpelt,
nimmt das Leben seinen Lauf.“
(Kool Savas feat. Azad, On Top)


Actions

Informations

Leave a comment

You can use these tags : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>