Logotherapie zwischen Leere und Fülle

5 11 2008

Die Logotherapie betrachtet Sinn und Sinnlosigkeit als Positionen auf einem Befindlichkeitskontinuum. Es gibt Kräfte, die uns mehr in die eine oder mehr in die andere Richtung drängen. In der Logotherapie geht es darum, genau die Faktoren zu identifizieren und zu stärken, die zu einer Bewegung in Richtung „Sinn und Fülle“ beitragen.

Der Fokus der Logotherapie zielt vor allem darauf, was Menschen mit Sinn erfüllt – nicht nur darauf, was sie sinn-entleert. Es wird nicht nur nach Bedingungen gesucht, unter denen sich ein „Existentielles Vakuum“ ausbreitet, sondern vor allem danach, was Sinn-Fülle bewirkt und fördert.

Kein Leben besteht nur und immer aus Leere oder Fülle. Sinn und Sinnlosigkeit vermischen sich ständig. Sie stellen keine einander ausschließenden Kategorien dar. Der Logotherapie geht es nicht in erster Linie darum, die Leere zu eliminieren. Sie begreift die Leere vielmehr als Auslöser für schöpferisches Tun oder sinnvolles Erleben.

Ziel der logotherapeutischen Detektivarbeit ist es, die Erfahrungen zu entdecken und bewußtzumachen, die einen prägenden und formenden Eindruck der Fülle hinterlassen haben und mit dem Gefühl von Sinnhaftigkeit verbunden waren oder sind. Es werden Anlässe und Gelegenheiten gesucht, bei denen im Tun, im Erleben oder im Erleiden Sinnerfahrungen angeregt wurden.

An welchen Kriterien lassen sich solche sinnstiftenden Erfahrungen messen?

- Sie sind zutiefst menschlich, human.
- Sie vermitteln uns das Erlebnis von Glück, Fülle, Ganzheit, Geborgenheit.
- Sie stärken die Fähigkeit und den Willen, uns mit anderen zu verständigen.
- Sie vertiefen unser Bewußtsein von der Endlichkeit der eigenen Existenz.
- Sie lenken unseren Blick auf letzte Fragen.
- Sie machen uns bereit, Verantwortung zu übernehmen.

    So bewegt sich der Einzelne mit Hilfe der Logotherapie immer öfter und immer entschiedener auf den sinnerfüllten Pol des Befindlichkeitskontinuums zu.


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