„Schmetterling und Taucherglocke“
10 03 2008Was für ein merkwürdiger Titel: „Schmetterling und Taucherglocke“!
Mit dieser Metapher bringt ein Mann seine existentielle Situation auf den Punkt. Zugegeben: Es ist eine Grenzsituation, in die Jean-Dominique Bauby nach einem Schlaganfall vollständig gelähmt aus dem Koma erwacht. Ganz langsam begreift der ehemalige Chefredakteur, daß er sich nur noch mittels Augenzwinkern mit seiner Umwelt verständigen kann. Damit ist er ein „homo patiens“ – ein leidender Mensch.
Menschen wie er stehen für Frankl im Zentrum seines Denkens und Handelns. Der „homo patiens“ – das ist einer, der mit seinem Latein am Ende ist, der nicht mehr gescheit daherreden kann, der möglicherweise schon lange verstummt ist.
Seine Kategorien heißen längst nicht mehr Erfolg und Misserfolg. Er hat nur die Wahl zwischen Sinnlosigkeit und Sinn – zwischen den Extremen Verzweiflung und Erfüllung. Die Ebene, in der Erfüllung und Verzweiflung liegen, steht jedoch senkrecht zur Linie des Erfolgsdenkens. Die Kategorienpaare gehören zwei verschiedenen Dimensionen an.
Und deshalb kann sich der leidende Mensch noch im Misserfolg und Scheitern erfüllen – und „trotzdem Ja zum Leben sagen.“
Wie Jean-Dominique Bauby, der seiner Sekretärin durch Zwinkern das wunderbare Buch „Schmetterling und Taucherglocke“ diktiert, bevor er seine Augen für immer schließt.
„Der Mensch ist nicht frei von Bedingungen, aber ist frei, die ihm gegebenen Bedingungen im Rahmen seiner Möglichkeiten zu gestalten“, schreibt Viktor E. Frankl. Der Begründer der Logotherapie hätte sicher bewundernd anerkannt, wie Jean-Dominique Bauby diesen logotherapeutischen Grundsatz als Locked-in-Patient bestätigt. Davon können sich jetzt auch deutsche Filmliebhaber ab 27. März im Kino berühren lassen. (www.schmetterling-und-taucherglocke.de)