Schritt für Schritt Richtung Sinn

14 05 2008

Im Blog-Eintrag über „Logotherapie und Depression“ habe ich auf die heilsame Kraft der „Sinnfindungshilfe“ hingewiesen. Wer sich mit den Hintergründen dieses logotherapeutischen Ansatzes vertraut gemacht hat, ist nicht nur gegen dunkle Depressionswolken besser gerüstet.

Denn für uns alle gilt: Der Mensch will Sinn. Diese Grundüberzeugung von Frankl findet sich auch im Salutogenese-Konzept von Aaron Antonovsky wieder. Es besagt, daß kritische Lebensereignisse von einzelnen Menschen unterschiedlich gut bewältigt werden: Je besser der Betroffene in der Lage ist, der Krise durch aktives Verständnis, durch eigene Anstrengung und durch Einordnung in seine inneren Konzepte zu begegnen, umso leichter kann sich wieder eine tragfähige Ordnung einstellen.

Wie lassen sich diese Fähigkeiten (die Antonovsky Handhabbarkeit, Verstehbarkeit, Sinnhaftigkeit nennt) stärken?

Für den Umgang mit Depressionen gilt: Zunächst muß durch Entlastung und Stabilisierung eine „Basis-Hoffnung“ wiederhergestellt werden. „Die „Basis-Hoffnung“ ist Grundvoraussetzung für die Anwendung der Sinnfindungshilfe“. Denn ohne eine minimale Hinwendung zur Welt, können keine Sinnhorizonte entdeckt werden.

Folgende Schlagworte charakterisieren die „Sinnfindungshilfe“:

- Vorsicht, Falle!
- Tu es ganz!
- Ja oder Nein?

Vorsicht, Falle!

Den Sinn des Lebens zu suchen, kann gefährlich sein. (Wie bitte? Schon wieder so ein provokanter Satz aus dem Munde einer Logotherapeutin! Sie werden gleich verstehen, was dahinter steckt …)

Wenn man „den Sinn an sich“ direkt anstrebt, verstärkt man die Spirale der Hoffnungslosigkeit. Wir können Sinn nämlich nur auf indirektem Weg erfahren – beispielsweise durch Sinnerlebnisse beim Arbeiten oder Lernen, im Austausch mit anderen, beim Auskosten von Muße u.s.w. Der losgelöste „Sinn des Lebens“ als umfassende Formel existiert nicht.

Deshalb dürfen gerade depressiv Gestimmte nicht in unfruchtbaren Grübeleien über den „Sinn des Lebens“ alleingelassen werden. Hilfreich ist es, den Blick von der Fata Morgana des „Absoluten Sinnes“ auf die fruchtbare Oase der Lebenswirklichkeit mit ihrem konkreten Sinnanspruch zu lenken.

Tu es ganz!

Den fruchtbaren Oasen der Lebenswirklichkeit nähert man sich anfangs mit winzigen Schritten: bei Sonnenschein einmal um den Block spazieren – die oberste Schreibtischschublade aufräumen – die Geburtstagsmail an die Freundin senden. Es kommt nicht darauf an, spektakuläre Aktionen zu starten. Was einzig und allein zählt: Nicht beim Stadium der vagen Vorsätze, des quälenden Zauderns, der halbherzigen Anstrengungen stehenzubleiben – sondern herauszutreten in die entschlossene Wahl, die konsequente Ausführung und den kompletten Abschluß. Durch diese vollständigen Aktionen - mögen sie noch so unbedeutend erscheinen – verstärken sich das Gefühl für die Wirklichkeit und der Bezug zur Welt.

Ja oder Nein?

Wenn sich die depressiven Wolken zunehmend verziehen, ist ein guter Zeitpunkt erreicht, um mit dem „Sinnwahrnehmungs-Training“ zu beginnen. Es geht darum, sich für den jeweiligen „Sinn des Augenblicks“ zu sensibilisieren.

Elisabeth Lukas schlägt dazu fünf Fragen vor:

1. Was ist mein aktuelles Problem? (Auf konkreten Sachverhalt einengen!)
2. Wo ist mein Freiraum? (Persönlicher, von Außenfaktoren unabhängiger, freier Aktionsspielraum)
3. Welche Wahlmöglichkeiten habe ich? (Brainstorming – ohne Wertung!)
4. Welche davon ist die sinnvollste? (Achtung: Die sinnvollste ist nicht zwangsläufig die lustvollste – aber auch nicht unbedingt immer die anstrengendste ;-))
5. Will ich sie verwirklichen? (Die Kardinalfrage: Ja oder Nein?)

Warnung vor der falschen Sinnsuche – Anleitung zu vollständigen Handlungen – Sinnwahrnehmungs-Training: Was halten Sie, liebe Blog-Leser, von diesen drei Angeboten aus dem Methodenkoffer der Logotherapie?


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