So tun, als ob
27 09 2008Es ist durchaus kein Selbstbetrug, die Welt immer öfter als guten Ort zu betrachten.
Die Welt ist ein freundlicher Ort und die Welt ist ein bedrohlicher Ort. Wer nur das Erste wahrnimmt, macht sich etwas vor. Doch auch, wer nur das Schlechte sieht, hat nicht den richtigen Durchblick …
Die einäugige Sicht auf das Bedrohliche kann durchaus triftige Gründe haben. Für traumatisierte Menschen war die Welt in der Vergangenheit kein guter Ort. Sie haben Belastendes erlebt – mitunter über lange Zeit. Möglicherweise ist es für sie auch in der Gegenwart sinnvoll, nicht allzu optimistisch auf die Welt und auf andere Menschen zuzugehen. Aber diese Skepsis müssen sie nicht immer beibehalten. Es kann für sie bereichernd werden, die Welt wohldosiert und probeweise als „freundlichen Ort“ zu betrachten.
Am besten gelingt das mit dem 30-Tage-Test.
Die erste Testphase gilt einem relativ ungefährlichen Beobachtungsobjekt: dem Wetter.
Konkret lautet die Anweisung: Nehmen Sie 30 Tage lang die guten Seiten der jeweiligen Wetterlage bewußt wahr.
Was bedeutet das für den verregneten Sonntagnachmittag, an dem Sie eigentlich eine Fahrradtour geplant hatten? Kein trotziges Im-Bett-Verkriechen oder Sinnlos-Surfen im Internet! Stattdessen eine Weile den Regentropfen zuschauen – einen leckeren Kakao kochen – und die Gelegenheit nutzen, ganz altmodisch auf schönem Briefpapier persönliche Worte an eine liebe Freundin zu schreiben. (Die wird Augen machen..!) Außerdem können Sie sich auch noch still darüber freuen, daß Sie sich heute nicht um die Balkonpflanzen der verreisten Nachbarin kümmern müssen. Es tröpfelt genügend Naß von oben!
Wenn Sie nach dem 30-Tage-Test Gefallen an dieser Betrachtungsweise gefunden haben, lade ich Sie ein, in der nächsten Phase noch mutiger zu werden.
Wie wär´s, wenn Sie den „unsympathischen“ Arbeitskollegen einen Monat lang so behandeln, als habe er durchaus manchmal nette Züge? Sie werden sich wundern, wieviel „Sympathisches“ Sie bisher an ihm „übersehen“ haben!
Keine Sorge: Mit Übungen wie diesen machen Sie sich kein „X für ein U“ vor. Sie imitieren lediglich resilientes (gesundheitsförderndes) Verhalten. Resiliente Menschen sind keine Dauer-Optimisten. Sie sind Realisten, die darauf bauen, daß es ihnen gut gehen darf.