Warum es lohnt, die Botschaft der Depression zu entschlüsseln (Teil 3)
2 02 2009Das Floß der Hoffnung
Nach scheinbar endlosem Hin und Her – soll ich oder soll ich nicht – autsch, ein Splitter und so weiter … ist es gezimmert: das wacklige Floß mit dem stolzen Namen „Hoffnung“.
Du läßt es zu Wasser. Dann setzt Du Dich auf die rauhen Stämme, wirfst einen letzten Blick auf die Klippen von Depri Island und – vertraust Dich den Wellen an.

Zunächst tragen sie Dich zügig aufs offene Meer.
Sogleich befallen Dich Zweifel: Was ist, wenn die Flaschenpost mich betrogen hat? Wäre ich nicht besser auf Depri Island geblieben? Im Moment habe ich das Gefühl, daß alles nicht so schlimm war. Manchmal weiß ich selbst nicht so genau, was ich nun denken soll. Habe ich mich vielleicht nur angestellt?
So brütest Du in altbekannter Manier vor Dich hin und bemerkst nicht, daß der Seegang unruhig wird. Kein Lüftchen weht – und doch wirkt das Meer zunehmend aufgewühlt. Unvermittelt schwappt die erste Welle über das Floß.
Im nächsten Augenblick erhebt ein grausiges Ungeheuer sein Haupt aus den Fluten: Ein furchtbarer Drache – er rollt mit den Augen – spuckt drei feurige Worte – peitscht mit dem Schwanz.
Du wünschst Dich zurück auf die sicheren Klippen von Depri Island.
So rasch wie es aufgetaucht ist, verschwindet das Ungeheuer im Meer. Die See liegt – glattgezogen wie ein Spannbett-Tuch – unter Deinem Floß.
Doch Du traust dem Frieden nicht.