Was ist eine tragfähige, wertschätzende Beziehung?

14 02 2008

Sigmund Freud beschreibt die ideale therapeutische Beziehung gegen Ende seines Lebens wie folgt: „Es gibt einen Moment, in dem der Analytiker den Patienten liebt, und der Patient weiß das und ist dann geheilt.“ Lawrence LeShan deutet diese Worte so: „Die Patienten müssen erfahren, daß der Analytiker weiß, wer sie wirklich sind, und sie so liebt, wie sie sind. Erst wenn wir wissen, wer wir wirklich sind, und erst wenn wir um unsrer selbst willen geliebt werden, können wir uns geliebt fühlen und diese Liebe annehmen.“

Frankl fügt diesem Beziehungs-Begriff ein wesentliches Element hinzu: Er blickt nicht nur auf den Patienten, so wie er wirklich ist, sondern auf die einmalige und einzigartige Person, „wie Gott sie gemeint hat“.

Er verweist in diesem Zusammenhang auf Goethe: „Wenn wir die Menschen nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.“ (Ärztliche Seelsorge)

Als Logotherapeutin sehe ich in den Größenphantasien des gestrandeten Süchtigen nicht nur Narzißmus und Kompensation. Ich spüre seiner Sehnsucht nach: dem Wunsch, als einmalige und einzigartige Person erkannt und angenommen zu werden. Und bestärke ihn darin, daß sein ganz persönliches Ringen um Abstinenz ihn einmalig und einzigartig macht.


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