Wer ist eigentlich dieser V. E. Frankl?

22 03 2008

Aus der Fülle seines 92 Jahre umfassenden Lebens greife ich zunächst heraus, was mir als Mitte dieser Vita erscheint: Viktor Emil Frankl als „homo patiens“ – ein leidender Mensch.

Gehen wir zurück ins Jahr 1938. Nach dem „Anschluß“ Österreichs an das Deutsche Reich muß der junge Facharzt für Neurologie und Psychiatrie seine Privatpraxis aufgeben. Er kommt als Leiter der neurologischen Abteilung ins Rothschildspital, was ihm und seinen alten Eltern zunächst einen gewissen „Transportschutz“ gewährt. Doch 1942 wird er mit seiner jungen Frau und seiner Familie deportiert. Bei der Selektion in Auschwitz geht das sorgsam ins Mantelfutter eingenähte Manuskript seines Erstlingswerkes „Ärztliche Seelsorge“ verloren. Zwischen Deportation und Befreiung ist Frankl in vier verschiedenen Konzentrationslagern interniert. Die Eltern, der Bruder und Frankls junge Frau überleben die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten nicht. 1945 kehrt er als Einziger aus seiner Familie nach Wien zurück.

Über seine Erfahrungen im Konzentrationslager schreibt er bereits 1946 ein Buch: „…trotzdem Ja zum Leben sagen“, das nach Meinung von Karl Jaspers „zu den wenigen großen Büchern der Menschheit“ gehört.

Was Viktor Frankl als „leidenden Mensch“ auszeichnet, läßt sich in diesem Büchlein nachlesen: „Wir müssen lernen und die verzweifelten Menschen lehren, daß es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet!“

Das ist es: Frankl läßt sich – selbst in scheinbar ausweglosen Situationen  – vom Leben befragen und gibt – unter allen Umständen – eine Antwort: Ja!


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