Wie der Blick nach innen zum Blick nach vorn verhilft
29 11 2008Von Anfang an war die Logotherapie offen für neue Perspektiven: „Die Existenzanalyse … ist bereit zur Kooperation mit anderen Richtungen und zur Evolution ihrer selbst“, schreibt Viktor Frankl.
Diese „Evolution ihrer selbst“ findet eindrucksvoll statt in der Entwicklung der Logotherapeutischen Imagination. Grundgelegt wird diese Methode von Frankl selbst in seinem Bestseller „…trotzdem Ja zum Leben sagen“. Über das Grauen seiner KZ-Haft rettet er sich durch eine intensive Vergegenwärtigung zukünftiger Szenarien: Er stellt sich vor, wie er in einem warmen Saal einen Vortrag über die Eindrücke im Lager hält.
In der intuitiven Vorwegnahme durch Imagination eröffnet sich ein tiefer Zugang zur Inspirationskraft: Persönliche Ressourcen für schöpferische Werte werden aktiviert; die Außenwelt wird auf eine ganz neue Art als Erlebniswert wahrgenommen; Einstellungswerte für unerträgliche Situationen werden ermöglicht. In diesem Sinn stellt Imagination eine echte „Evolution“ der Logotherapie dar.
Es freut mich, Ihnen zu diesem spannenden Thema wieder einen Gastbeitrag bieten zu können. Folgen Sie also nun Zsolt Joanovits in …
… Das Reich der Bilder
Können Sie sich daran erinnern, wie Sie heute morgen aus dem Haus gegangen sind? Vielleicht haben Sie die Tür hinter sich zugezogen und abgeschlossen.
Es ist mehr als wahrscheinlich, daß Sie jetzt kurz ein Erinnerungsbild vor sich gehabt haben. Ein Bild von der Situation, als Sie die Türe hinter sich zumachten. Wenn Sie sich Zeit nehmen würden, könnten Sie sich Einzelheiten ins Gedächtnis zurückrufen. Und was ganz frappierend ist: Sie „sehen“ dabei unter Umständen Dinge, die da waren, die Sie am Morgen aber gar nicht wahrgenommen haben.
Wir alle haben die Fähigkeit, solche Bilder wahrzunehmen. Nein, noch mehr: Wir alle haben dauernd bildhafte Eindrücke vor uns. Nicht nur Erinnerungsbilder, sondern auch andere. Solche, wie wir sie aus den Träumen kennen. Traumbilder und Erinnerungsbilder spielen ineinander hinein und vermischen sich. Allerdings werden sie auch zurückgedrängt und übertönt vom äußeren Lärm, von unserer eigenen Geschäftigkeit, von der Übermacht unserer Gedanken. Aber sie sind immer da.
In diesem merkwürdigen Bildergemisch zeigen sich, genauso wie im Traum,
- unsere eigenen Zustände
- unsere Probleme
- und auch was uns wichtig und wertvoll ist.
Es zeigen sich aber auch Dinge,
- die wir vielleicht gar nicht wirklich wissen
- oder nicht wahrhaben wollen.
All dies zeigt sich in Bildern und Symbolen.
Daß solche inneren Bilder, wenn man sie zuläßt und ein wenig kultiviert, stärkend und heilend wirken können, hat man zu allen Zeiten gewußt. Die Anfänge der Heilkunst gehen geradezu auf die „Anwendung“ gefühlsgetragener Bilder zurück. Mit dem Aufkommen der ersten Formen der Psychotherapie vor ein paar Jahrzehnten hat man die heilsame Kraft der inneren Bilder neu entdeckt. Man hat es von Anfang an Imagination genannt. Und es hat sich schnell gezeigt, daß solche „aktiven Imaginationen“
- nicht nur im Therapeutischen heilend wirken,
- sondern im Sport motivieren und beflügeln
- und im Coaching, auch im beruflichen Kontext, klären und befreien können.
Sie geben einem die Möglichkeit, durch den Lärm der Tagesgeschäfte hindurchzuhören und in sich hineinspüren zu können. Das kann vieles in Bewegung setzen. Bei einigen hat es so gut wie keine Wirkung. Andere erleben Spontanheilungen von seelischen und psychosomatischen Krankheiten, die sie vielleicht schon viele Jahre mit sich herumgetragen haben. Bei den meisten aber bewirkt es ein Innehalten und Neuorientieren. Es hilft, einen Schritt weiter zu kommen. Und so ein Schritt kann einiges in Bewegung bringen.
Zsolt Joanovits
DER S!NNCOACH
Unterer Zielweg 79
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