Wie startet man ein Logotherapie-Blog?
1 02 2008A. Mit einer wissenschaftlichen Abhandlung über die Grundlagen der Logotherapie?
B. Mit Plaudereien aus dem logotherapeutischen Nähkästchen?
oder:
C. Indem man dem „Meister“ selbst das Wort erteilt?
Ich entscheide mich für C. und schlage „meinen Frankl“ auf. „Der Mensch will nicht glücklich sein“, lese ich da. Das fängt ja gut an!
Weshalb kommen sie denn sonst zu mir: die unglückliche Jura-Studentin mit ihrem Waschzwang – der unglückliche arbeitslose Bankkaufmann nach dem zweiten Psychiatrie-Aufenthalt – die unglückliche, überlastete Job-Familien-Pflege-Managerin?
„Ich will endlich wieder glücklich sein!“, seufzen sie meist zu Beginn und schildern dann ausführlich, was sie am Glücklich-Sein hindert:
- das Zwangsritual und der Drang nach Perfektion
- die therapieresistenten Symptome und die soziale Ausgrenzung
- die Doppel- und Dreifach-Belastungen im ganz normalen Alltagswahnsinn.
Und dann soll ich diesen Mühseligen und Beladenen Frankl entgegenhalten: „Ach, wissen Sie, der Mensch will ja gar nicht glücklich sein …“? Getreu der Karikatur von Donald F. Tweedie: „In der Psychoanalyse liegt der Patient auf der Couch und muß dem Analytiker Dinge sagen, die unangenehm sind. – In der Logotherapie darf der Patient sitzen und muß sich Dinge anhören, die unangenehm sind.“
So „funktioniert“ Logotherapie natürlich nicht! Wie jede hilfreiche Beziehung gründet auch sie nicht auf Worten, sondern auf einer personalen Begegnung.